14. Oktober 2019
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Zorneding: Pfarrer-Rücktritt nach Morddrohungen – Erzbistum steht hinter ihm

Das Erzbistum München steht hinter der Entscheidung, des Zornedinger Pfarrers Olivier Ndjimbi-Tshiende, der nach rassistischen Beschimpfungen und Morddrohungen seinen Dienst in der Gemeinde beendet. Er wird im Bistum eine neue Aufgabe erhalten.

Ortsschild Zorneding
Ortsschild Zorneding

Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende beendet zum 1. April seine Tätigkeit als Pfarrer von Zorneding und übernimmt eine neue Aufgabe. Dies teilte Ndjimbi-Tshiende am Sonntag, 6. März, seiner Gemeinde mit. Das Erzbistum München und Freising bedauert die Entscheidung sehr, trägt diese aber mit und steht an der Seite von Pfarrer Ndjimbi-Tshiende. Der aus dem Kongo stammende Priester und  war seit vergangenem Herbst rassistischen Beschimpfungen ausgesetzt und hatte in der Folge Morddrohungen erhalten.

Ndjimbi-Tshiende erklärte am Montag, 7. März, er fühle sich nunmehr erleichtert, nachdem er seine Entscheidung zum Weggang getroffen und diese der Gemeinde mitgeteilt habe. Die Situation sei für ihn sehr belastend gewesen, gleichwohl blicke er ohne Verbitterung auf seine Zeit in Zorneding zurück. Er sei im Jahr 2012 in der Gemeinde gut und freundlich aufgenommen worden, habe viele Freunde gewonnen und sei gut bei den Gläubigen angekommen. Er wisse, dass viele seinen Weggang bedauerten. Zugleich hoffe er, dass alle Verständnis für seine Entscheidung aufbrächten. Ndjimbi-Tshiende sagte, er blicke nun nach vorne und freue sich auf den vor ihm liegenden priesterlichen Dienst an einem neuen Ort.

Auslöser für die Morddrohungen war, dass er die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel öffentlich verteidigte. In einem Mitgliederbrief hatte im Oktober letzten Jahres die damalige CSU-Ortsvorsitzende von Zorneding Merkels Flüchtlingspolitik heftig kritisiert. In einem offenen Brief nahm Ndjimbi-Tshiende dazu Stellung. Er verurteilte die Äußerungen der Ortsvorsitzenden als ideologisch und demagogisch. Der stellvertretende CSU-Ortsvorsitzende hatte den Pfarrer in der Folge dann als “Neger” tituliert. Die beiden CSU-Funktionäre sind dann nach den Vorfällen von ihren Parteiämtern zurückgetreten. In der Folge erhielt der Priester dann mehrere Morddrohungen. Die Kriminalpolizei ermittelt in diesen Fällen.

Inzwischen hat sich zum Rücktritt des Pfarrers auch die Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag, Margarete Bause, zu Wort gemeldet. Es mache sie wütend, dass die CSU zu dem Vorfall schweige.  Es bedürfe jetzt eines klaren Statements des Parteivorsitzenden. „Seehofer muss sich mit dem Pfarrer solidarisieren, ihm – auch durch einen Besuch vor Ort mit einem persönlichen Gespräch – öffentlich beistehen“, fordert die Grünen-Politikerin, „sonst feiern Rassisten hier letztlich mit Billigung der CSU einen Erfolg, den es in Bayern niemals geben darf.“ Schließlich sei Auslöser für die Affäre, die nun zum notgedrungenen Abschied des Gemeindepfarrers führte, eine „abstoßende, rassistisch motivierte Privatfehde von CSU-Funktionären mit dem Geistlichen“ gewesen. Bause weiter: „Der aus dem Kongo stammende Pfarrer ist Opfer eines fremdenfeindlichen Mobs, der sich auch durch die nur halbherzig zurückgenommenen rassistischen Äußerungen der örtlichen CSU-Funktionäre befeuert fühlen durfte.“ Hier sei nun definitiv ein „klares Bekenntnis der Parteispitze gegen fremdenfeindliche Hetze, unhaltbare Drohungen und die relativierenden Stellungnahme der Zornedinger CSU-Verantwortlichen vonnöten“, so Bause.

Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende, 66, stammt aus dem Kongo und war seit 2012 Pfarrer in Zorneding. Zuvor war er als Pfarradministrator in München-Milbertshofen St. Georg (seit 2008) und in Buch am Erlbach (seit 2005) tätig. Der im Jahr 1979 zum Priester geweihte, promovierte und habilitierte Philosoph Tshiende studierte Anfang der 90er Jahre unter anderem in München und arbeitete als Kaplan. 2001 kehrte er zurück in die Demokratische Republik Kongo. Seit 2005 ist er wieder in der Erzdiözese als Priester tätig. Er wurde im Jahr 2008 zum Pfarrer ernannt und im folgenden Jahr in den Diözesanklerus aufgenommen.

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