18. November 2017
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Bayern: Heidenspass an Karfreitag in München und Regensburg – es darf trotz Tanzverbot getanzt werden

10 Jahre lang war sie verboten, die Heidenspaß-Party des Bundes für Geistesfreiheit in Bayern (BfG) an Karfreitag in München. In dieser Körperschaft des öffentlichen Rechts sind Atheisten organisiert, die konsequent für die Trennung von Kirche und Staat eintreten.  Nun darf Karfreitag doch getanzt werden – aber nur bei weltanschaulichen Veranstaltungen.

Heidenspass-Party Karfreitag - Bund für Geistesfreiheit gegen Tanzverbot
Heidenspass-Party Karfreitag – Bund für Geistesfreiheit gegen Tanzverbot

Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat im Dezember 2016 einer Verfassungsbeschwerde des BfG recht gegeben. Zwar wurde das Tanzverbot an Karfreitag, das im Bayerischen Feiertagsgesetz für die christlichen stillen Tage vorgeschrieben vorgeschrieben ist, nicht grundsätzlich für verfassungswidrig erklärt. Jedoch müssen Veranstaltungen von Weltanschauungsgemeinschaften wie dem BfG genehmigt werden. Der hatte argumentiert: So eine Veranstaltung in einem geschlossenen Raum würde zu keinem Zeitpunkt eine Beeinträchtigung der religiösen Betätigung von Christen darstellen.

Das Kreisverwaltungsreferat in München musste die Heidenspaß-Party des BfG in Folge des Urteils des Verfassungsgerichtes für 2017 genehmigen. Auch in Regensburg wird es am 14. April 2017 einen Freigeister-Tanz unter dem Motto „Heidenspass statt Höllenqual“ geben. Nachdem die BVerG-Bedingung ist, dass der Tanz Ausdruck einer klaren weltanschaulichen Abgrenzung gegenüber dem Christentum ist, laden, lassen sich die Humanisten und Freigeister in München nicht zweimal bitten und laden nach 10-jähriger Abstinenz zu einer „zünftigen Karfreitags-Sause“ ins Münchener Oberangertheater ein. Die Veranstaltung beginnt um 15 Uhr cineastisch mit der Vorführung des Films „Wer früher stirbt, ist länger tot“, der bereits im Verbotsjahr 2007 gezeigt wurde. Im Anschluss wird das traditionelle „Karfreitags-Schokoladenbuffet“ des bfg München eröffnet, gefolgt von der Verleihung des Blasphemie-Preises „Der freche Mario“.

Um 19 Uhr startet das Abendprogramm mit Comiclesungen von Ralf König und Piero Masztalerz. Nach einem „Karfreitags-Tango“ lädt ab 21 Uhr das „Karfreitags-Schmankerl-Buffet“ zum fröhlichen Schmausen ein. Anschließend wird Michael Schmidt-Salomon das „Wort zum Karfreitag“ sprechen und den „humanistischen Tanzsegen“ erteilen. Unter dem Motto „Tanz‘ den Karfreitag!“ kann und soll dann ab 21.30 Uhr das weltanschauliche Tanzbein geschwungen werden. Es spielt die  Münchner Live-Party-Band „Smart & Handsome“.

Für Assunta Tammelleo, die stellvertretende BfG-Vorsitzende, die bereits die verbotene Heidenspaß-Party 2007 maßgeblich organisiert und nach dem Verbot durch alle Instanzen geklagt hatte, soll mit der Veranstaltung 2017 nicht zuletzt das bahnbrechende Urteil des Bundesverfassungsgerichts gefeiert werden: „Endlich wurde eine gesetzliche Regelung aufgehoben, die religionsfreie Menschen völlig unnötigerweise in ihren Freiheiten einschränkt. Warum sollte ein humanistischer Freigeist als Ausdruck seiner religionsfreien Weltanschauung am Karfreitag nicht tanzen dürfen? Was genau soll einen Gottesdienstbesucher stören, wenn in einem Münchner Stadtviertel eine Party in einem geschlossenen Raum stattfindet? Eine Privilegierung einzelner Religionsgemeinschaften gegenüber der Gesamtbevölkerung darf es nicht geben.“ Sie fordert den Freistaat Bayern auf,  das Feiertagsgesetz endlich ändern, denn der ausnahmslose Schutz des Karfreitags in Bayern würde nach dem Urteil gegen das Grundgesetz verstoßen.

Der Sprecher der humanistischen Giordano-Bruno-Stiftung, Michael Schmidt-Salomon, betont das ernsthafte Anliegen des Heidenspaßes“ „Wir werden an Karfreitag nicht nur aus reinem Vergnügen tanzen, sondern sozusagen im Auftrag des Bundesverfassungsgerichts. Das klingt witzig, hat aber einen ernsten Hintergrund, denn es geht dabei nicht bloß um eine Aufhebung des absurden Tanzverbots, sondern auch um eine Stärkung des Gebots der weltanschaulichen Neutralität des Staates, das durch Rechtspopulisten zunehmend unter Druck gerät. Nicht nur Trump, Putin, Orban oder Kaczynski betreiben Politik auf der Grundlage überkommener christlich-nationaler Werte, sie haben nicht wenige Nachahmer in der AfD oder CSU gefunden, die ähnlich reaktionäre Ziele verfolgen würden, wenn man ihnen die Chance dazu ließe. Um dieser Gefahr auf lustvolle Weise entgegenzuwirken, laden wir alle humanistischen Freigeister zum fröhlichen Protest nach München ein. Dieser Anlass sollte, wie ich meine, selbst die hüftlahmsten Humanisten dazu motivieren, ausnahmsweise einmal das Tanzbein zu schwingen!“

Der Einlass zur Heidenspaßparty im Oberangertheater (Oberanger 38, 80331 München) beginnt um 14:30 Uhr. Der Eintritt ist frei, freiwillige Spenden werden jedoch gerne entgegengenommen. Weitere Informationen zum Programm sowie Reservierungsmöglichkeiten unter: www.religionsfreie-zone.de.

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