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Hohn und Spott der FC Bayern-Fans bringt Löwen-Fans zur Weißglut
Graffiti war am Mittwoch gleich zweimal Thema in den Münchner Medien. In Neuseeland hat ein 28-Jähriger aus München mit der Sprühdose seine Spuren auf dem Franz-Josef-Gletscher hinterlassen. Der Münchner wurde allerdings von englischen Touristen erwischt und fotografiert. Jetzt muss er seine Schriftzüge und Grafiken vom Gletscher wieder entfernen und entgeht so einer Anklage, teilen die Behörden in Wellington, Neuseeland, mit.
Nicht erwischt und fotografiert wurden dagegen die Graffiti-Künstler, die in der Nacht von Montag auf Dienstag in das städtische Stadion an der Grünwalder Straße eingedrungen sind, dort die Westkurve rot angemalt haben und mit dem Schriftzug "FC Bayern" versehen haben. Fünf bis zehn Personen müssen es gewesen sein, um so umfangreiche Arbeiten in der kurzen Zeit bewerkstelligen zu können, schätzt Edith Rubenbauer, Pressesprecherin vom Sportamt der Landeshauptstadt München.
Die Aktion brachte viele Fans des TSV 1860 zur Weißglut. Wurde doch ihrer Meinung nach ihr Wahrzeichen, ihr Heiligtum und ihre Kultstätte auf dem Giesinger Berg geschändet. Sie forderten umgehend, dass die Schmach vor den Spielen der zweiten Mannschaft des TSV 1860 sowie der A-Jugend am Wochenende im Grünwalder Stadion wieder rückgängig gemacht wird. Was auch geschehen wird, verspricht Rubenbauer. Es sei schon eine Fachfirma beauftragt worden, bis zum Samstag die großflächigen Graffitis zu überpinseln. Allerdings in neutralem Grau, so die Sportamts-Sprecherin.
Auf den pfiffigen Vorschlag von Löwenfans, selbst zum Pinsel zu greifen und die rot-weißen Stellen nun mit blauer und weißer Farbe zu übermalen, geht die Stadt München nicht ein. Auch wenn das Grünwalder Stadion von den 60er-Fans als Kultstätte angesehen wird, es gehört nicht dem TSV 1860, sondern der Stadt München und somit allen Münchner Bürgern und Bürgerinnen. In dem Stadion spielen nicht nur die Amateurmannschaften des TSV 1860 sondern auch die des FC Bayern München.
Hatte die Graffiti-Aktion das Löwenherz punktgenau getroffen, wird nun von Bayern-Fans weiter kräftig in dieser Wunde gerührt. Im Internet kursieren Grafiken mit dem Foto der verunstalteten Tribüne, die mit Schmähtexten versehen sind (Beispiel siehe Grafik oben links). Es gab einen Vorschlag von Ultras aus der Bayern-Szene, zum Derby des FC Bayern gegen den TSV 1860 heute Abend der Allianz-Arena in Malerkitteln und mit selbst gebastelten Maler-Papierhütchen auf dem Kopf zu erscheinen.
Solche Aktivitäten und Vorschläge vergiften die Atmosphäre zwischen den beiden Fanlagern noch mehr. Bereits gestern gab es reihenweise Gewaltaufrufe im Löwenforum (wir berichteten). Die besonnenen Forenposter, die Zurückhaltung anmahnten, waren eher in der Minderheit. Mit dem Farbanschlag seien die Bayern-Fans zu weit gegangen, ist der Tenor im Löwenforum. "Ich kann für nichts garantieren", schreibt ein erboster Löwen-Ultra.
Bereits vor dem Spiel heute Abend in der Allianz Arena hat die Polizei Maßnahmen ergriffen, um die Fangruppen auseinander zu halten. Die Bayern-Fans treffen sich am Mittwoch um 14 Uhr auf dem Viktualienmarkt, um den 108. Geburtstag des FC Bayern zu feiern. Die Löwen-Anhänger kommen am Nachmittag auf dem Sendlinger-Tor-Platz zusammen. Sie werden in einem eigenen U-Bahnzug gegen 18 Uhr nach Fröttmaning verfrachtet, was allerdings schon vor dem Farbanschlag im Grünwalder Stadion organisiert wurde.
Im Stadion lauert dann eine weitere Gefahr. Da die Roten beim DFB-Pokalspiel Heimrecht haben, sitzen die Löwenanhänger im Gästeblock über den Köpfen der Bayern-Fans. Im Löwenforum wird reihenweise dazu aufgefordert, ausgiebige Bierduschen auf die Reihen der Bayernfans niederprasseln zu lassen. Nach dem Spiel hat es die Polizei dann noch schwerer, die Löwen- und Bayernfans auseinander zu halten. "Was nach dem Spiel passiert, ist für jeden Privatsache", so ein Forumsmitglied im Löwenforum vieldeutig.
Groß ist auch die Gefahr, dass ein zweites Münchner Derby der A-Jugend am kommenden Wochenende zur Randale genutzt wird. Denn die U19-Mannschaften von 1860 und Bayern treffen am kommenden Sonntag um 11 Uhr ausgerechnet in dem Stadion aufeinander, das in den Augen der 60er-Fans so schmählich geschändet wurde - im Stadion an der Grünwalder Straße.
Siehe auch unser Kommentar: Hass quillt aus dem Löwenforum. Die Leser vom Stadtmagazin München 24 können sich im Bürgerforum an der Diskussion beteiligen und ihre Meinung dazu schreiben.
Grafik: Screenshot Ausschnitt aus einer anonymen Grafik zum Farbanschlag im Grünwalder Stadion, abgelegt auf einem US-Server im Internet
Weitere Meldungen zu den Themen 1860 und FC Bayern in den News im Stadtmagazin München 24.
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