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Kinderschänder-Priester in München: Die folgenschweren Fehler von Ratzinger
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Frauenkirche München
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Ein pädophiler Priester aus Essen ist 1980 nach München versetzt worden. Er sollte hier eine Therapie machen. Der damalige Erzbischof von München und Freising, Joseph Ratzinger, hatte die Entscheidung mitgetragen, den Priester nach München zu holen, weil er wegen seiner Verfehlungen in Essen untragbar geworden war. Ratzingers Stellvertreter, der ehemalige Generalvikar Gerhard Gruber, hat den Kinderschänder allerdings in der Seelsorge in die Münchner Pfarrei St. Johannes am Lerchenauer See geschickt, wo er weiterhin Kontakt zu Kindern und Jugendlichen hatte. Ratzinger, der jetzige Papst Benedikt XVI., will nach einer Pressemitteilung des Erzbistum München davon nicht gewusst haben.
Zwei entscheidende Fehler sind Ratzinger unterlaufen, die sich später noch als verhängnisvoll herausstellen sollten. Denn der Priester verging sich wieder an einem Kind. Der erste Fehler war, den Priester damals in München aufzunehmen, ohne Vorkehrungen zu treffen, dass der Geistliche von Kindern ferngehalten wird. Der zweite Fehler war, dass die Führungskraft Ratzinger meinte, sich auf seinen Stellvertreter bedingungslos verlassen zu können. Wenn das Delikt in Essen, wie von Medien berichtet, nicht der Staatsanwaltschaft gemeldet wurde, hätte er sich der Strafvereitelung schuldig gemacht.
Doch auch auf Ratzingers Nachfolger, Kardinal Wetter, wirft der Vorgang kein gutes Licht. In dessen Amtszeit war der Priester von 1982 bis Anfang 1985 zur Seelsorgemithilfe in Grafing tätig. Dort wurde er wegen Vorwürfen sexuellen Missbrauchs und der Aufnahme polizeilicher Ermittlungen zwar im Januar 1985 vom Dienst entpflichtet. Im Juni 1986 wurde Kaplan H. vom Amtsgericht Ebersberg wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu 18 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe in Höhe von 4000 Mark verurteilt. Die Bewährungszeit wurde auf fünf Jahre festgesetzt. Der Verurteilte wurde angewiesen, sich in eine Psychotherapie zu begeben.
Ab November 1986 bis Oktober 1987 wurde H. als Kurat in einem Altenheim eingesetzt. Anschließend war er bis September 2008 in Garching/Alz in einer Gemeinde tätig, zunächst als Kurat, später als Pfarradministrator. "Für den erneuten Einsatz in der Pfarrseelsorge waren offenbar die relativ milde Strafe des Amtsgerichts Ebersberg und die Ausführungen des behandelnden Psychologen ausschlaggebend.", so erklärt das Erzbistum heute.
Zu Beginn der Amtszeit des aktuellen Erzbischofs Reinhard Marx wurde H. von seinen Aufgaben als Pfarradministrator in Garching entpflichtet und seit dem Oktober 2008 als Kur- und Tourismuspfarrer in Bad Tölz eingesetzt. Dem heute 62-Jährigen wurde zur Auflage gemacht, dass er keine Kinder-, Jugend- und Ministrantenarbeit mehr machen dürfe. Ein auf Wunsch von Marx erstelltes forensisches Gutachten rechtfertigte aus Sicht des Ordinariats den Verbleib des Priesters in der Pfarrseelsorge. Es dauerte geschlagene 28 Jahre, bis die Führung der katholischen Kirche in München die richtigen Konsequenzen aus dem Fall gezogen hat.
Die verantwortlichen Erzbischöfe Ratzinger und Wetter übernehmen aber nicht die Verantwortung für ihr Führungsversagen. Das Bauernopfer ist der frühere Generalvikar Gerhard Gruber. Der 81-Jährige erklärt dazu: „Der wiederholte Einsatz von H. in der Pfarrseelsorge war ein schwerer Fehler. Ich übernehme dafür die volle Verantwortung. Ich bedauere zutiefst, dass es durch diese Entscheidung zu dem Vergehen mit Jugendlichen kommen konnte und entschuldige mich bei allen, denen Schaden zugefügt wurde."
Die katholische Kirche in München reagierte mit einer öffentlichen Erklärung erst, nachdem die Südeutsche Zeitung am vergangenen Donnerstag den Missbrauchsfall publik gemacht hatte. Der Tageszeitung liegt eine eidesstattliche Erklärung des damals elf Jahre alten Opfers vor, dass es von dem Priester zum Oralverkehr gezwungen worden sei. Der Junge sei in einer Ferienfreizeit in der Eifel mit Alkohol gefügig gemacht worden.
Inzwischen hat auch Papst Benedikt XVI. durch einen Sprecher auf den Fall reagiert. In seiner Funktion als Erzbischof von München und Freising habe er mit Entscheidungen, "nach denen es später dann zu den Missbräuchen kommen konnte" nicht zu tun, zitiert die SZ den Vatikansprecher. Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" fordert, dass Papst Benedikt XVI. endlich selber mitfühlende und um Versöhnung bittende Worte für die Opfer finden sollte. Der Vatikan sollte endlich anerkennen, dass sexualisierte Gewalt als weltweites und mit den Strukturen der katholischen Kirche zusammenhängendes Problem zu sehen sei.
Quelle Stadtmagazin München 24, Text Robert Allmeier
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