7. Dezember 2019
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Mittenwald: Maschkera stampfen den Frühling wach

Die handgeschnitzte Holzlarve ist das wichtigste Accessoire eines Maschkeras. Dahinter verborgen treiben die Männer im Werdenfelser Land bis Faschingdienstag ihr Unwesen.

Schellenrührer Maschkera Mittenwald
Schellenrührer in der Fastnacht – Maschkera Mittenwald

(14.1.2016) Mittenwald gilt als Hochburg der “Fasnacht“. In alter Tradition musizieren, raunzen und stampfen die Maschkera ausgelassen in Gassen und Wirtshäusern. Eines sollten sie dabei jedoch nicht: erkannt werden. Wehe, ein Maschkera setzt seine Holzlarve außerhalb der Fastnacht auf! Dann wächst sie ihm ins Gesicht, so der alte Volksglaube. “Larva” heißt ja auch “böser Geist, Gespenst” auf lateinisch. In Mittenwald in der Alpenwelt Karwendel sind diese traditionellen Faschingsfiguren, die Bräuche und Volksglaube aus heidnischer Zeit hochhalten, besonders aktiv. Ab Dreikönig bis zum Faschingdienstag – diesmal am 9. Februar 2016 – holen sie ihre Larven hervor und schlüpfen in bunte Kleider der Altvorderen. Mit verstellter Stimme “raunzend” ziehen sie musizierend durch die Gassen, um die Dämonen der dunklen Jahreszeit zu vertreiben, die Natur aus dem Winterschlaf zu wecken und den einen oder anderen zu ärgern. Dabei unerkannt zu bleiben ist höchstes Gebot.

Das farbenfrohe Treiben gipfelt am 4. Februar 2016, dem „Unsinnigen Donnerstag“. Pünktlich um zwölf Uhr mittags wecken die Schellenrührer in Mittenwald, Krün und Wallgau den Frühling – wie bereits seit rund 500 Jahren. Mit kurzen Lederhosen, umgeschnallten schweren Glocken, grünen Hüten und kunstvoll gefertigten Holzlarven hüpfen die Schellenrührer in einer langen Reihe und im gleichen Rhythmus durch die Straßen. Kurz darauf sind dann viele andere überlieferte Figuren und Gruppen, wie Pfannenzieher, Bärentreiber, Hexen und Jacklschutzer in der Mittenwalder Fußgängerzone zu bewundern. Sie alle tragen kunstvolle Holzmasken, die heute noch von Geigenbauern und anderen geschnitzt und wie die Kostüme über Generationen weitergegeben werden. Jeden Montag, Dienstag und Donnerstag treffen sich Jugend und Maschkera zur „Gungl“ in Mittenwalds Wirtshäusern. Dort stampfen die Maschkera beim Betreten der Wirtsstube, dann wird ausgelassen musiziert und getanzt.

Die Wurzeln der Maschkera-Tradition sind heidnisch. Zum Ende der Raunächte am Dreikönigstag beginnt die Zeit, in der die Natur erwachen soll. Für die Menschen früher war sie wichtige Wendezeit des Jahres, Frühlingsfreude vertrieb die Schwermut, mehr Sonne die Dunkelheit des Winters. Der Heidenspaß dauert bis Aschermittwoch.

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