14. Dezember 2017
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Oberbayern: Bilanz Schleierfahndung – Waffen, Sprengstoff, Drogen und Schleuser

Eine positive Bilanz haben die Rosenheimer Schleierfahnder über das abgelaufene Jahr gezogen. Der spektakulärste Fall: Der Aufgriff eines Waffenschiebers kurz vor dem Terroranschlag in Paris auf dem Weg in die französische Metropole bei Bad Feilnbach.

Waffenfund im PKW Schleierfahndung Rosenheim
Waffenfund im PKW vor Terroranschlag in Paris – Schleierfahndung Rosenheim
Quelle Foto PP Oberbayern-Süd

„Die Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität ist unsere Kernaufgabe, das Herausfischen fahndungsrelevanter Fahrzeuge unsere Kernkompetenz. 2015 waren wir damit besonders erfolgreich.“ Nicht ohne Stolz blickt Polizeioberrat Herbert Baumann als Dienststellenleiter der PI Fahndung Rosenheim auf das abgelaufene Jahr. „Auf allen Tätigkeitsfeldern gelangen uns Aufgriffe von hoher Qualität. Großteils waren diese nur durch unseren hohen Grad an Spezialisierung zu erzielen.“ Aufgrund der enormen Zusatzbelastung bei der humanitären und sicherheitspolizeilichen Behandlung von Migranten litt die gewohnt hohe Präsenz auf der Autobahn und den Fernstraßen. „Die Kolleginnen und Kollegen gingen dabei an die Grenze ihrer Belastbarkeit, “ so Baumann, „verloren aber nicht ihre Motivation.“

Der spektakulärste Erfolg gelang den Schleierfahndern am 5.November. Am Autobahnparkplatz „Im Moos“ / Nähe Ausfahrt Bad Aibling kontrollierten sie einen Pkw VW Golf mit einer montenegrinischen Zulassung. Der 51-jährige Fahrer war auf dem Weg nach Paris. Schnell fanden die Fahnder unter Motorraumverkleidungen erste Waffenteile. Die Handschellen klickten. Der Pkw wurde zusammen mit Spezialisten des Landeskriminalamtes München zerlegt. Versteckt hinter Tür- und Seitenverkleidungen, unter Plastikeinbauten und unter dem Motor (Foto) fanden sich insgesamt 8 Kalaschnikow-Gewehre samt Munition, 3 Pistolen und Revolver, 2 Handgranaten und 200 Gramm Sprengstoff (TNT) mit funktionsfähigem Zünder. Wenige Tage später gab es mit ähnlichen Waffen eine Serie verheerender Terroranschläge in Paris. Baumann dazu: „Zusammenhänge mit unserem Aufgriff werden geprüft. Vielleicht konnten wir durch die Anhaltung dieses Waffentransportes Menschenleben retten.“

Weniger spektakulär, aber von hoher Qualität waren Fahndungserfolge in den Fernzügen zwischen Kufstein und München. So konnte im Nachtzug CNL 484 ein 27jähriger Libyer festgenommen werden. Er wies sich mit totalgefälschten italienischen Personalpapieren aus. In der linken Hosentasche fanden sich 1790 € Bargeld in 20 € / 50 €- Stückelung – alles Falschgeld. In der rechten Hosentasche bewahrte er bereits gewechseltes Echtgeld auf. Einige Monate zuvor fiel er bereits in Berlin und Potsdam mit Falschgeld auf. Er ging für zwei Jahre in Haft.

Kollegen der Polizeistation Fahndung Kreuth hielten einen Mercedes Vito mit Rosenheimer Ausfuhrkennzeichen an. Schnell erkannten die Schleierfahnder, dass es sich eigentlich um ein spanisches Mietfahrzeug handelte. Der Fahrer, ein Rumäne, hatte sich unter Vorlage gefälschter spanischer Kfz-Zulassungspapieren beim Landratsamt Rosenheim echte deutsche Fahrzeugdokumente „erschwindelt“. Der Pkw wurde sichergestellt, der Fahrer verhaftet. Die spanische Mietfirma AVIS wusste bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts von der Unterschlagung ihres Fahrzeugs.

Einer Pendlerin aus Weilheim konnten die Polizisten ihr hochwertiges Fahrrad im letzten Moment „retten“, ehe es über die Grenze geschafft worden wäre. Ein Rumäne hatte das teure Stück am Possenhofener Bahnhof gestohlen und zusammen mit zwei weiteren Rädern in seinem Pkw verstaut. Um einer Entdeckung zu entgehen, stopfte er den Rest des Stauraums mit Sperrmüll voll. Die Schleierfahnder scheuten die Mühe nicht, erkannten das Diebesgut und stellten das Diebesgut sicher. Überglücklich bedankte sich die Besitzerin bei den Polizisten bei der Abholung.

Echte Spezialistenarbeit leisteten die Schleierfahnder bei der Sicherstellung von 20,8 Kilo Ecstasy und einer Pistole samt Munition. Ein 27jähriger Lette verbaute die Schmuggelware professionell im Auto. Zudem legte er bei der Kontrolle einen totalgefälschten lettischen Führerschein vor. Er wurde verhaftet und zwischenzeitlich zu 5 Jahren und 9 Monaten verurteilt.

Haschisch im Auto versteckt - Schleierfahndung Rosenheim
Rauschgift professionell im Auto versteckt –
Foto PP Oberbayern Süd – Schleierfahndung Rosenheim

 Nur kleine Fehler leistete sich ein 25 jähriger Moldauer beim Verstecken von 46 Kilo Haschisch. Er entfernte in seinem Pkw die Isolierung der Bodengruppe und ersetze sie durch 38 Rauschgiftpäckchen und Bauschaum zur Stabilisierung, getarnt durch Teppich und Sitze (Foto). Trotzdem fanden die Polizisten das Versteck. Der Täter erhielt 7 Jahre und 6 Monate.

Im Zusammenhang mit der massenhaften illegalen Einreise konzentrierte sich die PI Fahndung Rosenheim auf die Bekämpfung der Schleuserkriminalität. Baumann: „Der Transport und die Behandlung der Migranten durch die Schleuser ist menschenverachtend.“ Dabei werden Männer, Frauen und Kinder wie Ware in altersschwache Kleintransporter gesteckt und ohne Rücksicht auf Verluste über die Grenzen gebracht (Foto unten). In einem Fall wurden 18 Erwachsene in den kleinen Laderaum eines Mercedes Vito gezwängt – ohne ausreichenden Luftaustausch, ohne Wasser und ohne Pause von Budapest bis Rosenheim. Baumann: „Ein geschleuster Syrer bezeichnete das als die schlimmsten Stunden seines Lebens.“

Illegaler Transport von Flüchtlingen - Schleierfahndung Rosenheim
Illegaler Transport von Flüchtlingen – Schleierfahndung Rosenheim
Foto PP Oberbayern-Süd

Bis zur Einführung der Grenzkontrollen und der Bildung von Kontingentübergangsstellen im Herbst lastete ein bedeutender Teil der Erstbetreuung auf den Kräften der Schleierfahnder. In den Fernzügen aus Italien kamen im Stundentakt bis zu 100 Migranten zur Einreise. Gleichzeitig sammelten die Fahnder über Monate die von Schleppern ausgesetzten Migrantengruppen entlang der Autobahnen ein und leisteten vor allem humanitäre Hilfe. „In enger Zusammenarbeit mit der für illegal Einreisende zuständige Bundespolizei versuchten und versuchen wir, vor allem den humanitären Dauereinsatz zu schultern,“ beschreibt Baumann und ergänzt: „In dieser schwierigen Zeit bewährt sich das traditionell gute und von persönlichen Kontakten getragene Verhältnis mit den Kollegen der Bundespolizeiinspektion Rosenheim.

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