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München: Nackt im Ring - Gänsehaut pur bei Tunick-Fotosession an der Oper
Spencer Tunick "Ring" auf dem Max-J .

Kurz nach der morgendlichen Götterdämmerung bei 12 Grad nackt vor der Oper und der Feldherrnhalle in München. Da kam Gänsehaut auf bei den 1.700 Teilnehmern, die bei den Menschenbildern des Künstlers Spencer Tunick (siehe Bildmitte) mitmachten. Doch diese wurde überdeckt von der goldenen und roten Körperfarbe, mit der sie vom Scheitel bis zur Fußsohle bemalt waren. Die Bayerische Staatsoper hat am Samstag die Münchner Opernfestspiele 2012 mit einer außergewöhnlichen Installation eröffnet. Der Ring heißt die neue Arbeit Tunicks, bei der die Kunstinteressierten nackt in der Münchner Innenstadt posierten.

Inspiriert wurde Tunicks Kunstinstallation von Richard Wagners Opus magnum Der Ring des Nibelungen und der Neuinszenierung von Regisseur Andreas Kriegenburg, welche ebenfalls mit kraftvollen Menschenbildern arbeitet und am 30. Juni mit der Premiere von Götterdämmerung ihre Vollendung findet. Tunick verwendete bei dieser Installation zum ersten Mal in einer urbanen Umgebung Körperfarbe an den Teilnehmern. „Das Projekt mit Spencer Tunick war noch viel aufregender und intensiver als erwartet. Ein wahrhaft urbanes Projekt der Bayerischen Staatsoper, die ihre Tore einmal mehr weit öffnet und Wagners Ring mit einer künstlerischen Aktion in die Stadt hinein zu den Menschen getragen hat“, so Staatsintendant Nikolaus Bachler.

Die Teilnehmer trafen sich bereits ab 3 Uhr morgens am Marstallplatz hinter der Bayerischen Staatsoper, um sich zu entkleiden und ihre Körper mit goldener oder roter Körperfarbe zu bemalen. Kurz vor Sonnenaufgang um 5.14 Uhr startete Tunick mit der ersten Formation aus Menschenkörpern entlang der Ludwigstraße.

„Andreas Kriegenburgs kraftvolle Bilder und der unendliche Kosmos von Wagners Ring waren der Ausgangspunkt für meine Münchner Installation. Die Körper bildeten Motive aus dem Ring“, so Tunick. Hunderte mit roter Farbe bemalte Freiwillige formten zuerst eine scheinbar endlose Reihe an Nibelheim-Arbeitern entlang der Ludwigstraße. Am Odeonsplatz bildeten die Körper dann nach Tunicks Anweisungen, die er und sein Team stets über Megaphon verkündeten, die Flammen aus dem Mund des Siegfried-Drachen. Zum Abschluss versammelte Tunick alle Teilnehmer für das letzte Motiv vor der Bayerischen Staatsoper. Am Max-Joseph-Platz schloss sich um das Max-Joseph-Denkmal ein Ring aus roten und goldenen Körpern. Mit einer reduzierten Gruppe aus 50 Mitwirkenden füllte der Amerikaner zuletzt noch den Königssaal des Nationaltheaters, in dem die Menschen einen Berg aus goldenen Körpern bildeten. Die Installation war gegen 8 Uhr zu Ende.

„Ich habe mich ganz besonders gefreut, hier in München für die Bayerische Staatsoper zu arbeiten. Die Stimmung der Teilnehmer war trotz der frischen Morgentemperaturen hervorragend. Ich danke allen, dass sie so zahlreich erschienen sind“, erklärte Spencer Tunick im Anschluss an die Installation.

Ein Kunstvideo der Installation wird ab Anfang Juli in der Rheingold-Bar des Nationaltheaters zu sehen sein. Die Fotoarbeiten werden im Januar 2013 zur Wiederaufnahme von Wagners Ring des Nibelungen präsentiert. Alle der 1.700 Mitwirkenden erhalten ein Foto in limitierter Auflage.

Spencer Tunick wurde in Middletown, Bundesstaat New York, geboren und lebt im Hudson Valley in New York. Seit 1992 beschäftigt er sich mit Installationen im öffentlichen Raum. Sein Hauptmotiv ist der nackte menschliche Körper. Dafür versammelt er meistens tausende Menschen. Tunicks Arbeiten wurden weltweit realisiert, unter anderem in Belgien, Kanada, den USA und Brasilien. Seine temporären Installationen, die stets auf Fotos und Videos festgehalten werden, beschäftigen sich vor allem mit den vorgefassten, von der Gesellschaft bestimmten, oftmals negativen Konnotationen von Nacktheit: „Mich fasziniert die Schönheit, die jedem Menschen eigen ist“, so Tunick. Tunicks Arbeiten wurden unter anderem für SITE Santa Fe, New Mexico (2001), die XVI Bienal de Sâo Paulo, Brasilien (2002), die Biennale de Lyon (2005) oder die Kunsthalle Wien (2008) realisiert.


Quelle Stadtmagazin München 24, Text Robert Allmeier



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News erstellt am 25.6.12 11:50

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