14. Dezember 2017
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Zugunglück Bad Aibling: Staatsanwalt bestätigt menschliches Versagen

Auf der Bahnstrecke Rosenheim-Holzkirchen sind am Dienstagmorgen, 09. Februar 2016, zwei Regionalzüge des Meridian frontal zusammengestoßen. Es sind 11 Tote, 16 Schwerverletzte und 63 Leichtverletzte zu beklagen. Die Staatsanwaltschaft hat in zwischen besätigt, dass fahrlässiges Verhalten des Fahrdienstleiters zu dem Zugunglück geführt hat.

Zugunglück Bad Aibling
Zugunglück Bad Aibling, Kranzniederlegung
Quelle Foto Staatskanzlei Bayern

(Update 16.2.2016, 14.30 Uhr) Die Staatsanwaltschaft in Traunstein hat inzwischen bestätigt, dass der 39-jährige Fahrdienstleiter fahrlässig gehandelt hat und dadurch das Zugunglück ausgelöst hat. Ein vorsätzliches Verhalten schließt die Staatsanwaltschaft aus. Der Fahrdienstleiter hat nach anfänglichem Schweigen inzwischen gegenüber den Ermittlern umfangreich ausgesagt. Er hatte ein Sondersignal für den ca. vier Minuten verspäteten Zug aus Richtung Rosenheim gesetzt. Als er den Irrtum erkannte, hatte er noch durch zwei Notrufe versucht, die Züge rechtzeitig zu stoppen. Die Ermittler bestätigten auf einer Pressekonferenz am 16. Februar 2016  darüber hinaus, dass ein technisches Versagen ausgeschlossen ist, und das der Fahrdienstleiter weder unter Alkohol- oder Drogeneinfluss gestanden hat. Auf eine Inhaftierung des Beschuldigten wurde verzichtet, er befindet sich in psychologischer Behandlung. Bei einer Verurteilung drohen ihm wegen fahrlässiger Tötung bis zu fünf Jahre Haft.

Hier aus dem Wortlaut der gemeinsamen Presseerklärung der Staatsanwaltschaft und der Polizei:

„Der Fahrdienstleiter hat sich am Montagnachmittag, 15.2.16, mit seinen Verteidigern einer mehrstündigen Vernehmung gestellt und sich in allen Einzelheiten zu seinem Verhalten im Zusammenhang mit der Zugabwicklung vor dem Unfallgeschehen geäußert. Sein Verhalten ist nicht mit dem für ihn geltenden Regelwerk als Fahrdienstleiter in Einklang zu bringen. Hätte er sich regelgerecht – also pflichtgemäß – verhalten, wäre es nicht zum Zusammenstoß der Züge gekommen. Ein vorsätzliches Fehlverhalten scheidet allerdings aus. Die Einlassung des Beschuldigten zu seinen Handlungen auch zur Verhinderung der bereits anlaufenden Katastrophe muss nun anhand der umfassend gesicherten Daten und den sonstigen Ermittlungsergebnissen überprüft werden. Es ist aber ebenso wichtig mitzuteilen, dass nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen keine Anhaltspunkte für ein technisches Versagen der Züge oder der Signal- und Bremsanlagen erkennbar sind. Die Staatsanwaltschaft geht von menschlichem Versagen aus.“

(Update 14.2.2016, 13 Uhr) Die aufwendigen Bergungsarbeiten am Unglücksort, an denen noch knapp 100 Einsatzkräfte von Polizei, Bahn, Technischem Hilfswerk, Feuerwehr und Rotem Kreuz beteiligt waren, konnten am Samstagabend, gegen 20.00 Uhr, nahezu vollständig abgeschlossen werden. Die sichergestellten Zugteile wurden eingelagert und stehen der Staatsanwaltschaft für weitere Untersuchungen zur Verfügung. Ein freigegebener Waggon, der sich noch neben den Gleisen befindet, kann erst im Laufe der kommenden Woche in die Schienen eingesetzt und abtransportiert werden. Der Gleiskörper wurde in diesem Streckenabschnitt auf einer Länge von knapp 200 Meter stark beschädigt und ist daher nicht befahrbar. Die anstehenden Arbeiten zur vollständigen Instandsetzung werden noch einige Tage in Anspruch nehmen, so dass der eingerichtete Schienenersatzverkehr weiterhin bestehen bleibt.

Unter Leitung der Staatsanwaltschaft Traunstein, Zweigstelle Rosenheim, werden die aufwändigen und komplexen Ermittlungsarbeiten zusammen mit der Kriminalpolizei Rosenheim und den Sachverständigen des Eisenbahn Bundesamtes fortgeführt. Neben den Auswertungen der sichergestellten Datenspeicherkassetten (Blackboxes) stehen auch die Überprüfungen der weiteren technischen Sicherungseinrichtung an, die in Zusammenhang mit dem Fahrbetrieb stehen. Eine angedachte Simulationsfahrt kann am heutigen Sonntag aus technischen Gründen nicht durchgeführt werden. Die Beweisaufnahme ist bei weitem noch nicht abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft wird weiterhin den Sachverhalt umfassend untersuchen und dabei auf alle denkbaren rechtlichen Fragen eingehen. Über eine mögliche Ursache kann zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage getroffen werden.

(Update 12.2.2016, 13 Uhr) Die dritte Blackbox konnte inzwischen geborgen werden. Sie hat Fahrdaten aufgezeichnet, die Hinweise auf den Hergang des Zugunfalles geben kann.

(Update 11.2.2016, 14 Uhr)  Zwei Tage nach dem schrecklichen Zugunglück bei Bad Aibling gehen heute am Unglücksort die schwierigen Bergungsarbeiten weiter. Die Behörden hoffen, dabei die dritte Blackbox zu finden. Das zehnte Todesopfer konnte gestern identifiziert werden, mehrere Schwerverletzte befinden sich noch in kritischem Zustand in Kliniken. Leider verstarb am heutigen Donnerstag ein Unfallopfer in einer Klinik, somit erhöht sich die Zahl der Toten auf 11.

Mit Hilfe von zwei Spezialmaschinen sollen heute die Bergungsarbeiten am Unfallort vorangetrieben werden. Dabei ist höchste Vorsicht geboten, weil die ineinander verkeilten Zuggarnituren unter hoher Spannung stehen und Einsatzkräfte durch umherfliegende Teile gefährdet werden könnten. Die Bergungsarbeiten werden deshalb heute wohl nicht abgeschlossen werden können. Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei hoffen aber, dass es gelingen wird, die noch fehlende Blackbox zu finden und sicherzustellen.

Am gestrigen Mittwoch konnte das 10. Todesopfer identifiziert werden: es handelt sich um einen 38 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Spree-Neiße (Brandenburg). Im Laufe des heutigen Donnerstag erlag ein 47 Jahre alter Mann, der aus dem Landkreis München stammt, seinen schweren Verletzungen, damit erhöht sich die Zahl der Todesopfer auf 11. Daneben sind jetzt noch 20 Schwerverletzte bekannt und 62 leichtverletzte Menschen. Der Gesundheitszustand einiger Schwerverletzter ist nach wie vor ernst.
Im Polizeipräsidium Oberbayern Süd war nach dem Unglück ein Bürgertelefon eingerichtet worden. Fast 1.000 Anrufe zählten die Beamten in den vergangenen Tagen dabei. Ab heute Mittag 12.00 Uhr kann die Kriminalpolizei wieder unter der bekannten Telefonnummer erreicht werden, das Bürgertelefon wird abgeschaltet.

(Update 10.2.2016, 20.10 Uhr)  Nach dem schweren Zugunfall am gestrigen Dienstagmorgen gehen die Bergungsarbeiten der Züge voran, so die Bayerische Oberlandbahn, die die Meridian-Linien betreibt. Das Unternehmen spricht allen Helfern seinen großen Dank aus. Die Betreuung der Reisenden und ihrer Familien geht weiter. Bis Mittags konnten die ersten Zugteile getrennt werden. Mit Hilfe der Spezialkräne wurden die noch fahrbaren Zugteile aufgegleist. Morgen werden dann Ersatzdrehgestelle unterbaut. Die Arbeiten werden nach Aussage des Infrastrukturbetreibers DB Netz noch einige Tage in Anspruch nehmen.

Die Bergung der Opfer ist abgeschlossen. Gestern haben sich zeitweise rund 700 Einsatzkräfte vor Ort um die Verletzten gekümmert. „Wir  bedanken uns ganz herzlich bei allen Rettungskräften“, sagt Fabian Amini, der technische Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn GmbH. „Der schnelle und selbstlose Einsatz der Helfer war in dieser belastenden Situation außerordentlich.“ „Nach der Erstversorgung muss dieses schreckliche Erlebnis weiter verarbeitet werden“, ergänzt Bernd Rosenbusch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bayerischen Oberlandbahn GmbH. „Wir bieten den Betroffenen und ihren Familien auf Wunsch psychologische Unterstützung durch Spezialisten an.“

Der Zugverkehr auf der Mangfalltalbahn ist eingestellt. Es verkehren bis auf weiteres Busse im Schienenersatzverkehr. Reisende müssen daher mit deutlich längeren Fahrzeiten rechnen. Es ist davon auszugehen, dass die Strecke noch bis Anfang der nächsten Woche gesperrt ist. Auch für den Schülerverkehr ab Montag wurden bereits Busse durch den Meridian organisiert. Für die verunfallten Züge sucht die Bayerische Oberlandbahn momentan nach Ersatzfahrzeugen, um diese in den nächsten Monaten einzusetzen. Informationen zum aktuellen Fahrplan erhalten Reisende zusätzlich zum Internet auch beim 24 Stunden Meridian-Servicetelefon unter +49 (0) 8024 997171.

(Update 10.2.2016, 15 Uhr) Ministerpräsident Horst Seehofer ist an die Unglücksstelle gereist, um sich vor Ort ein Bild von den Bergungsarbeiten zu machen und den Helfern für ihren Einsatz zu danken. Begleitet wurde er von  der stellvertretenden Ministerpräsidentin und Bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, dem Bayerischen Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann, dem Leiter der Bayerischen Staatskanzlei Dr. Marcel Huber, sowie Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Seehofer äußerte sich bestürzt über das schreckliche Unglück: „Das ist eine Tragödie für unser ganzes Land, die uns mit Trauer und Entsetzen erfüllt.“ Am Unglücksort legten er und Dobrinth einen Kranz nieder (siehe Bild).

 

(Update 10.2.2016, 13 Uhr)  Nach dem folgenschweren Zugunglück bei Bad Aibling haben unter Aufsicht der Staatsanwaltschaft am Mittwochmorgen die Arbeiten zur Bergung der beiden ineinander verkeilten Zuggarnituren begonnen. Parallel dazu finden am Mittwoch in München rechtsmedizinische Untersuchungen an den Todesopfern statt. Bei den 10 Getöteten handelt es sich um neun Männer im Alter zwischen 24 und 59 Jahren. Alle stammen aus den Landkreisen Rosenheim und Traunstein. Bei einer getöteten Person steht die Identität noch nicht ganz sicher fest. Auch bei den vielen verletzten Fahrgästen handelt es sich fast ausschließlich um Erwachsene, überwiegend aus der Region.

Hunderte von Helfern hatten den ganzen Dienstag damit verbracht, Verletzte und Tote aus den stark beschädigten Zügen zu bergen. Nachdem eine Person im Laufe des Tages ihren Verletzungen in einer Klinik erlag, müssen 10 Todesopfer beklagt werden. Der Gesundheitszustand einiger Schwerverletzter ist nach wie vor ernst, viele leichter verletzte Menschen konnten die Krankenhäuser aber bereits wieder verlassen. Entwarnung konnten die Beamten der Kripo am Mittwochmorgen geben: Die Überprüfungen ergaben, dass niemand mehr vermisst wird, in den Zugwracks wird also kein Mensch mehr vermutet.

Medienberichte, dass ein Fahrdienstleiter in einem Stellwerk eine Sicherung abgeschaltet habe, wodurch die beiden Zügen auf der eingleisigen Strecke unterwegs waren, wurden von der Polizei noch nicht bestätigt. Vor den Behörden liegt jetzt eine aufwändige und langwierige Ermittlungsarbeit, über Ursachen des schrecklichen Unglücks wird das Polizeipräsidium Oberbayern-Süd deshalb zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussagen treffen.

(9.2.2016) Um 6:48 Uhr wurde der Einsatzzentrale im Polizeipräsidium Oberbayern Süd gemeldet, dass es auf der Bahnstrecke Rosenheim-Holzkirchen zu einem folgenschweren Zugunfall gekommen war. Zwei Personenzüge des Meridian waren auf der, in diesem Bereich, eingleisigen Zugstrecke frontal ineinander geprallt. Mehrere Hundert Helfer von Rettungsdiensten, Feuerwehren und der Polizei aus der gesamten Region sind seit dem frühen Morgen im Einsatz. 63 Menschen, so der letzte Stand, wurden dabei leicht verletzt. 17 Menschen wurden schwerverletzt, 9 Menschen konnten nur mehr tot geborgen werden, eine weitere Person verstarb im Laufe des 9.2.2016 in einem Krankenhaus. Im Polizeipräsidium Oberbayern Süd wurde ein Bürger-/Hinweistelefon (08031/200-3180) eingerichtet.

Beamte der Kriminalpolizei übernahmen unter Leitung der Staatsanwaltschaft Traunstein und mit Unterstützung von Kollegen der Bundespolizei die Ermittlungen zum Hergang des Unglücksfalles. Zur genauen Ursache können derzeit noch keine Aussagen getroffen werden, die Ermittlungen stehen hier noch am Anfang.

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