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Update: Wirecard AG beantragt beim Amtsgericht München Insolvenzverfahren

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Wirecard AG, Markus Braun, ist wegen des Verdachts der Bilanzfälschung und der Marktmanipulation festgenommen worden. Das bestätigt die Staatsanwaltschaft München I. Braun hatte sich am Montagabend den Ermittlungsbehörden gestellt. Die Ermittlungsrichterin am Amtsgericht München hat am Dienstag entschieden, dass der Vollzug des Haftbefehles gegen eine Kaution von fünf Millionen Euro ausgesetzt wird und Braun nicht in Untersuchungshaft bleibt. Am 25. Juni 2020 hat die Wirecard AG ein Insolvenzverfahren beim Amtsgericht München gestellt. 

Markus Braun Ex Wirecard CEO verlässt die Bühne Foto Imago Sven Simon
Ex-Wirecard Vorstandschef Markus Braun verlässt die Bühne
Foto Imago Sven Simon

(Update 25.6.2020, 11.15 Uhr) +++ Heute hat die Wirecard AG, Aschheim im Landkreis München, ein Insolvenzverfahren beim Amtsgericht München wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung gestellt. Der Vorstand teilte inzwischen mit, dass Wirecard Bank AG ist nicht Teil des Insolvenzverfahrens der Wirecard AG ist. Die BaFin hat für die Wirecard Bank AG bereits einen Sonderbeauftragten eingesetzt. Die Freigabeprozesse für alle Zahlungen der Bank werden zukünftig ausschließlich innerhalb der Bank und nicht mehr auf Gruppenebene liegen.

In einer Adhoc-Mitteilung teilte der Vorstand mit, dass die Wirecard AG hat im Rahmen der normalen Geschäftstätigkeit Kredite von Finanzinstituten in Anspruch genommen. Die Wirecard AG hat mit den Kreditinstituten Verhandlungen geführt und dabei die jüngsten Entwicklungen berücksichtigt. Ohne eine Einigung mit den Kreditgebern bestand die Wahrscheinlichkeit der Kündigung und des Auslaufens von Krediten mit einem Volumen von 800 Mio. EUR zum 30. Juni 2020 und 500 Mio. EUR zum 1. Juli 2020. Der Vorstand ist zu der Überzeugung gelangt, dass in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit eine positive Prognose nicht gestellt werden kann. Damit sei die Fortführbarkeit des Unternehmens nicht sichergestellt.

Der Börsenkurs der Wirecard-Aktie ist am Donnerstag noch einmal um 65 Prozent eingebrochen und lag um 11 Uhr Vormittag unter vier Euro. Vor dem Kurseinbruch am 18. Juni wurde die Aktie noch mit ca. 100 Euro notiert.


(Update 23.6.2020, 15.40 Uhr) +++ Die Ermittlungsrichterin am Amtsgericht München hat den Vollzug des Haftbefehles gegen den Ex-Chef der Wirecard AG gegen eine Zahlung von fünf Millionen Euro ausgesetzt. Der Beschuldigte kommt nicht in Untersuchungshaft und muss sich wöchentlich bei der örtlichen Polizei melden.


(Erstmeldung 23.6.2020, 12.00 Uhr) +++ Die Staatsanwaltschaft München I hat am 23. Juni 2020 bestätigt, dass der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Wirecard AG, Markus Braun, festgenommen worden ist. Die Anklagebehörde hatte am Montag einen Haftbefehl wegen Bilanzfälschung und Marktmanipulation bei der zuständigen Ermittlungsrichterin des Amtsgerichtes München erwirkt. Der Österreicher ist am Montagabend aus Wien nach München gefahren, nachdem er von dem Haftbefehl erfahren hat, und sich der Polizei gestellt. Braun wird heute im Laufe des Dienstag der Ermittlungsrichterin vorgeführt werden, die entscheidet, ob Braun wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft bleiben muss.

Nach ihren bisherigen Ermittlungen legt die Staatsanwaltschaft München I dem Beschuldigten zur Last, gegebenfalls im Zusammenwirken mit weiteren Tätern die Bilanzsumme und das Umsatzvolumen der Wirecard AG durch vorgetäuschte Einnahmen aus Geschäften mit sogenanten Third-Party-Acquirern (TPA) aufgebläht zu haben, um so das Unternehmen finanzkräftiger und für Investoren und Kunden attraktiver darzustellen.

Besonders im Fokus der hinsichtlich dieses Tatvorwurfs erst seit wenigen Tagen laufenden Ermittlungen stehen angebliche Bankguthaben auf Treuhandkonten bei zwei philippinischen Banken in Höhe von mehr als 1,9 Milliarden Euro. Der Vorstand des Zahlungsdiensteabwicklers Wirecard hat in der Nacht von Sonntag auf Montag gegen 3 Uhr früh in einer adhoc-Mitteilung erklärt, dass diese Bankguthaben „mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht bestehen“.

“Nach derzeitiger rechtlicher Prüfung begründet das Verhalten des Beschuldigten den Verdacht der unrichtigen Darstellung jeweils in Tateinheit mit Marktmanipulation gemäß § 331 Handelsgesetzbuchs, § 119 Wertpapierhandelsgesetz in mehreren Fällen.”, erklärt die Oberstaatsanwältin Anne Leiding, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft München I. Er habe seine Zusammenarbeit mit den Behörden zugesagt, so Leiding weiter.

Die Wirtschaftsprüfer von KPMG hatten festgestellt, dass für 1,9 Milliarden Euro Eigenmittel für Treuhandkonten in Asien keine Belege auffindbar waren. Wirecard musste schließlich am Montag zugeben, dass die Bankguthaben gar nicht existieren. Der Aktienkurs des Dax-Unternehmens ist in den letzten Tagen von 100 Euro um über 80 Prozent auf etwa 18 Euro (Stand 23.6., 14 Uhr) eingebrochen.

Wirecard mit Firmensitz in Aschheim im Landkreis München wurde 1999 gegründet und bietet Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr sowie die Akzeptanz von Kreditkarten. Die Tochtergesellschaft der Wirecard  Bank AG hat eine Banklizenz und gibt selbst Prepaid-Karten heraus. Das Unternehmen beschäftigt 5.100 Mitarbeiter und hatte 2018 einen Jahresumsatz in Höhe von 2,02 Mrd. Euro.

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