24. November 2017
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Schießerei Unterföhring: Polizistin zur Reha verlegt – Eltern bedanken sich mit rührendem Brief

Eine Polizistin ist am Dienstag im S-Bahnhof Unterföhring im Landkreis München durch einen Kopfschuss schwer verletzt worden. Ein 37-jähriger Mann, der bei einer von einer Polizeistreife nach einem Streit auf dem Bahnsteig kontrolliert werden sollte, hat ihrem Kollegen bei einem Gerangel die Dienstwaffe entrissen und auf die Polizistin geschossen. Sie wurde im Kopf getroffen und schwebte lange Zeit in akuter Lebensgefahr. Die Polizistin liegt seitdem im Wachkoma und wurde am 7. September 2017 in ihre Heimat nach Sachsen verlegt.

Pressekonferenz Polizei zur Schießerei in Unterföhring
Pressekonferenz Polizei zur Schießerei in Unterföhring

(Update 7.9.2017) Die 26-jährige Polizeibeamtin, die am 13. Juni 2017 von Alexander B. mit einer entwendeten Dienstwaffe in den Kopf geschossen wurde, konnte am Donnerstag, 7. September 2017 in eine Fachklinik nach Sachsen verlegt werden und wird dort nun weiter behandelt. Die Münchner Polizei teilt mit, dass ihr Zustand ist soweit stabil sei, allerdings befinde sie sich auch weiterhin im Wachkoma.

Im einem rührenden Brief bedanken sich die Eltern der 26-Jährigen bei der Bevölkerung für ihre Anteilnahme und Unterstützung:

„Liebe Bürgerinnen und Bürger,
wir sind die Eltern der Polizeibeamtin, die am 13.06. durch einen feigen Angriff mit einer Schusswaffe am S-Bahnhof Unterföhring schwere Kopfverletzungen erlitten hatte. Sie können sich sicherlich vorstellen, dass dieses Ereignis eine für uns und ihren Lebensgefährten emotional extrem schwierige Situation war und nach wie vor ist.

Von Anfang an haben wir eine sehr intensive Betreuung und Unterstützung durch die Polizeiinspektion 26 in Ismaning sowie der gesamten Münchner Polizei erhalten. Auch die Betreuung im Krankenhaus durch die behandelnden Ärzte und das Pflegepersonal hat uns den Eindruck vermittelt, dass sie dort in besten Händen ist und bestmöglich behandelt und therapiert wird.

Auf unterschiedlichsten Wegen erreichten uns sehr viele Zeichen der Solidarität und Anteilnahme aus München, dem Landkreis München und weit darüber hinaus. Sie gaben und geben uns viel Kraft und wir haben uns sehr darüber gefreut. Dafür bedanken wir uns aus tiefsten Herzen bei Ihnen allen.

Der Gesundheitszustand unserer Tochter ist mittlerweile so stabil, dass sie in eine Reha-Klinik nach Hause verlegt werden konnte. Ihr steht noch ein langer Weg der Rehabilitation bevor, auf dem wir sie intensiv begleiten werden.

Nochmals vielen Dank für Ihre große Hilfe und Unterstützung – nicht zuletzt durch die zahlreichen Spenden. Es hat uns allen sehr gut getan, dass wir gespürt haben, dass wir nicht alleine sind.

Die Eltern und der Lebensgefährte“ 

(Update 14.6.2017) Es wurden weitere Details über den Täter bekannt, der auf die junge Polizistin in der S-Bahnstation Unterföhring geschossen hat. Alexander B.  lebte bei seinem Vater in den USA. Am Vortag war er gegen 21 Uhr mit dem Flugzeug auf dem Flughafen München gelandet und hat eine Nacht dort verbracht. Er fuhr am Morgen mit der S8 Richtung München. In Ismaning stieg ein Fahrgast ein und setzte sich in gleiche die Sitzreihe. Aus heiterem Himmel soll B. angefangen haben, auf den Fahrgast einzuschlagen. Zeugen in der S-Bahn war vorher schon aufgefallen, dass er Selbstgespräche geführt hatte.

Polizeipräsident Hubertus Andrä berichtete auf einer Pressekonferenz am 14. Juni 2017, dass er sich die Videoaufnahmen des Schusswechsels auf dem Bahnhof Unterföhring mehrfach angesehen hat. Es nicht deutlich zu erkennen, ob der Polizist die Pistole schon in der Hand hatte, oder ob sie der Täter bei dem Gerangel aus dem Holster genommen hat. Auch ist nicht zu sehen, ob die Polizistin oder B. zuerst geschossen hat.

Der Haftbefehl ist wegen des psychischen Zustandes des Mannes in ein einen Unterbringungsbefehl in eine geschlossene psychiatrische Anstalt umgewandelt worden. Nach den Recherchen der Münchner Polizei ist ist er bereits in den Vereinigten Staaten wegen Gewaltdelikten aktenkundig geworden.

Zum gesundheitlichen Zustand der schwerst verletzten Polizistin wurde mitgeteilt, dass sie weiterhin in Lebensgefahr schwebt. Es geht ihr unverändert schlecht, so Pressesprecher  Marcus da Gloria Martins.

Video von der zweiten Pressekonferenz zur Schießerei in Unterföhring am 14. Juni 2017


(13.6.2017) Die Polizeistreife der Polizeiinspektion Inspektion wurde am 13. Juni 2017 um 8.20 Uhr zum S-Bahnhof Unterföhring gerufen, weil es dort in einer S-Bahn der Linie S8, die aus Ismaning kam, zu einer Schlägerei zwischen zwei Personen gekommen war. Bei der Aufnahme des Sachverhaltes am Bahnsteig lief zuerst alles ohne Probleme ab. Als eine S-Bahn aus in Richtung Flughafen  in den Bahnhof einfuhr, die mit 500 bis 700 Personen besetzt war, hat der Täter den 30-jährigen Streifenbeamten aus dem Nichts massiv angegriffen. Bei dem anschließenden Gerangel am Boden ist es dem 37-jährigen Mann gelungen, die Pistole des Polizisten an sich zu nehmen.

Nun kam es zum Schusswechsel, bei dem eine 26-jährige Polizeibeamtin in den Kopf geschossen wurde.  „Dabei hat der Täter die Waffe leer geschossen und in das Gleis geworfen. Er ist dann zum südlichen Ausgang des Bahnhofes geflohen.“, so Polizeipräsident Hubertus Andrä bei der Pressekonferenz der Münchner Polizei. Dort wurde der beim Schusswechsel verletzte Täter von zwei Bundespolizisten verfolgt. Es gelingt ihnen dann, den 37-Jährigen im Pförtnerhaus der Firma Allianz festzunehmen.

Der Täter ist ein 37-jähriger, in Bayern geborener Deutscher. Er war an keinem Wohnsitz gemeldet.  Der Polizei war er schon bekannt, weil gegen ihn 2014 wegen des Besitzes einer geringen Menge Rauschgift ermittelt wurde. Das Verfahren wurde damals wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Bei der Schießerei im Bahnhof wurden auch zwei andere Reisende getroffen. Es handelt sich dabei um Durchschüsse an Armen und Beinen. Sie sind in stationärer Behandlung, jedoch nicht in Lebensgefahr.

Die Ermittlungen würden sich sehr aufwändig gestalten, so der Polizeipräsident. Mehr als 200 Zeugen mussten befragt werden. Eine Befragung des Täters war noch nicht möglich, weil er am Nachmittag im Krankenhaus operiert worden ist. Ob der 37-Jährige alkoholisiert war oder unter Drogeneinfluss gestanden hat, muss noch geklärt werden. In seinem Umfeld wird momentan ermittelt, wo er sich zuletzt aufgehalten hat.

Einen terroristischen Hintergrund der Tat gibt es nicht. Es handelt sich zum einen Einzeltäter, der aus einer persönlichen Motivation heraus gehandelt hat, erklärte Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins bei der Pressekonferenz. Die Staatsanwaltschaft hat angekündigt, dass Haftbefehl wegen versuchten Mordes beantragt werden wird.

Insgesamt waren 200 Kräfte der Polizei in Unterföhring im Einsatz, unter anderem Spezialeinsatzkommandos und Hubschrauber.

Der S-Bahnverkehr der Linie S8 war wegen der Spurensicherung  der Kripo noch bis 17.15 Uhr unterbrochen. Ein provisorischer Schienenersatzverkehr mit Taxis zwischen Ismanning und Johanneskirchen war eingerichtet. Die Taxis verkehrten in Unterföhring ab / nach Unterföhring Medienalle.  Zwischen Johanneskirchen und Ismanning wurde ein Schienenersatzverkehr mit Bus ohne Halt in Unterföhring eingerichtet. Reisende von und zum Flughafen wurden gebeten, alternativ die Linie S 1 Freising / Flughafen zu benutzen.

Zeugenaufruf der Polizei:

Wer hat Beobachtungen zu den Ereignissen in der S-Bahn S 8 und am Bahnhof in Unterföhring gemacht? Personen, die hier sachdienliche Hinweise geben können, werden gebeten sich unverzüglich mit der Polizei in Verbindung zu setzen. Hierfür steht die Telefonnummer 089/63007-1412 (oder -1415) zur Verfügung. Sie können sich aber auch an jede andere Polizeidienststelle wenden.

 

Pressekonferenz Polizei München – Polizeipräsident Hubertus Andrä schildert den Ablauf der Schießerei in Unterföhring

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